SANTANYI MAGAZINE 01
Santanyí magazine ···32 Die Begegnung mit Bernat Vidal i Tomas Eines schönen Tages stellte sie sich bei Bernat Vidal i Tomas vor, um kundzutun, dass sie Schriftstellerin werden wolle. Sie erinnert sich sehr gut an den distanzierten Blick des Pharmazeuten und Schriftstellers. Er wirkte mehr wie ein Bischof als ein Apotheker. Und er sagte zu mir: Was hast Du gelesen? Und sie antwortete wahrheitsgemäß und ohne zu zögern: Nichts. Er ermunterte sie, riet ihr irgendeine Geschichte zu schreiben. Und das tat sie. Die erste handelte von einer Nachbarin, die die Kühe zur Tränke führte, Antonia begleitete sie. Aus dieser Situation entstand die erste Geschichte, die sie dem Pharmazeuten und Schriftsteller zeigte. Nachdem er sie gelesen hatte, bat er sie weiterzuschreiben; und jede Woche wiederholte sich dieselbe Szene, wenn sie sich beim Pharmazeuten einfand um vorzulesen, was sie geschrieben hatte. Oftmals schlief er ein; hin und wieder öffnete er ein Auge und sagte: “Das gefällt mir sehr gut“ Diese Geschichten wurden später mit dem Toni Gros, en Vic Preis ausgezeichnet. Der kritische Blick Es ist beinahe unglaublich, dass ein Arbeitermädchen, eingebettet in eine Welt, in der es weder eine Bibliothek noch eine Buchhandlung gab, wo man hätte irgendein Buch kaufen können, schon davon geträumt hat, Geschichten zu schreiben. Das Einzige, was sie im Anschluss an die Klosterschule tun konnte, war auf der Strasse zu spielen. Ohne jeglichem Bewusstsein wie sehr die Erwachsenenwelt durch die Nachkriegszeit geprägt war. Ohne den Grund dafür zu verstehen, warum man sich stritt, anschrie und beleidigte. Damals begann sie die Macht der Worte zu schätzen. Erst als Erwachsene habe ich erfahren, dass es unter meinen Nachbarn Mörder und Opfer gegeben hatte. Die AuseinandersetzungenwarendasErgebnisderFeindseligkeit des Krieges, die sich nach wie vor im täglichen Leben auf der Strasse zeigte. In diesen Tagen entdeckte ich erst die Macht der Worte. Und während die anderenMädchen geschmuggelte Nylonreste sammelten, archivierte sie Worte in ihrem Kopf. Der Wunsch zu verstehen, warum es Menschen gab, die auf eine Art und andere, die auf eine andere, eine offensichtlich ganz andere Art lebten, brachten sie dazu, Geschichten zu schreiben, die Tag für Tag auf ihrer Strasse geschahen. - “aber wir dürfen die Sinnlichkeit Papier zu berühren als wäre es Haut, nicht vergessen. “ - Cultura I Cultura I Culture I Kultur Santanyí magazine
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